 |
 |
| Das Gesetz der Wiederkehr des Verdrängten |
|
 |
|
|
 |
....hängt eng mit dem Gesetz des Ausgleichs zusammen. Es ist quasi seine mehr unbewusste und negative Form. Über das Gesetz der Wiederkehr des Verdrängten werden wir mit all dem konfrontiert, was wir vom Bewusstsein her nicht wahrhaben wollen, was unser Schatten ist, was der Verdrängung anheim gefallen ist. So wird der Heilige durch den Sünder ausgeglichen, die Madonna durch die Hure, der Ohnmächtige durch den Machthaber, der Unterdrückte durch den Unterdrücker, der Hilflose durch den Helfer, der Masochist durch den Sadist, der Altruist durch den Egoisten, der Gute durch den Bösen – und jeweils umgekehrt. Was wäre der Heilige ohne die vielen Sünder um ihn herum? Er könnte gar nicht mehr als guter und edler Mensch in Erscheinung treten. Er würde gar nicht mehr auffallen. Ja, mehr noch, er könnte sich durch die vielen Frevler, Atheisten, sexuellen Lüstlinge und charakterlosen Wesen nicht mehr stabilisieren. Das Gesetz der Wiederkehr des Verdrängten zeigt dem ‚Heiligen’ durch das Phänomen der Projektion, was so alles in seinem Unbewussten wohnt; um den ‚Heiligen-Schein’ zu bewahren, muss der Betreffende ständig seine Aggressionen, seine sexuellen Begierden und Machtgelüste verdrängen. Doch das Verdrängte ist nicht vernichtet, es kehrt wieder. Allerdings nicht mehr in der ursprünglichen Form, sondern vielfach verzerrt; vollkommen verändert durch den Akt der Verdrängung wird die ursprünglich physiologische Energie pervertiert und gegen das Leben gewendet. Sie wird pathologisch. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je mehr Lebendigkeit verdrängt wird, um so destruktiver kehrt die verleugnete Energie wieder zurück.
|
|